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„An die gläserne Wand prallt ein Vogelleib, die Frau im Wartesaal muss es gesehen haben, betrachtet unbewegt die klebrige Spur, ein schöner Tag, sagt sie, nichts als schöne Tage, fliessen und fliessen, kannst du aufspringen, bist du froh, ohnehin nicht lange, wer kann schon lange froh sein, es dreht dich einfach raus, eine kleine Unaufmerksamkeit, und irgendein Schatten beisst sich in dein Fleisch, ein schöner unterhaltsamer Schmerz, ich habe nichts dagegen, wäre auch vergeblich, dergleichen nicht aufzuhalten, also ruhig weiter durch unaufhaltsam schöne Tage, und noch immer unfallfrei, das Problem musst du schon selber angehen, eines schönen Tages, wer weiss, alles soll zu erwarten sein, in deinem Kopf tickt die Uhr zu laut, zu hastig, und keine Ahnung, was es schlägt, geschlagen hat, nichts verlässlich.Bahnsteig eins oder zwei, grün oder rot, kommen oder gehen, alles Illusion, dein Kino, Kintopp im Kopf, das Geplapper aus dem Lautsprecher, Geplätscher, Plätschern, eine Trockenvorstellung, und der Reisende ist womöglich längst am Zerfallen, falls es den Reisenden gibt, so oder so nichts zu machen, nur eine gute Reise zu wünschen, wohin auch immer, den Abschied schon im Gedächtnis, du kommst an oder du am Bahnhof, er käme an, die Gepäckstücke einzustellen oder auszulösen, irgendwelche Scheine zu tauschen, jede Umarmung ebenso ein Abschied, Worte und Lächeln am Fliessen, ähnlich den Wasserrinnen in jener Stadt, der Bahnhof ein neuer Knotenpunkt unserer Gedanken, sagt er, womöglich am Einsteigen, Wegwinken, die Krähen überm Bahnhofsdach punktieren die Ferne, wieviel Zeit bleibt dir noch, wie viele Küsse, ein Vergnügen, dir und dem Reisenden wiederzubegegnen, immer ein strahlender Auftritt und die Zeit blindfreundlich.“

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