DEN FLUSS ÜBERFLIEGEN - TEXTE

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„Ich suchte nach meiner Angst und fand sie nicht. Als wäre ich taub und mein Körper nicht identisch mit mir, als könnte ich ihn zur stationären Behandlung zurücklassen und aus der Bettenstadt via Brücke, Autobahnband in mein strenges Leben flüchten, nicht ohne mir nahe Menschen und von der Katze Matou umschmeichelt. Aber Krabb zwang zum Loslassen und Lassen, zu mönchischer Geduld. Mein Körper war leichter geworden und die Reisetasche weniger prall als gewöhnlich. Mein Leben auf einen überschaubaren Raum begrenzt, und es würde sich fortsetzen, mir vielleicht der letzte Grenzwechsel, frei von Ballast, leichtfallen.“

(...) „Von Flurschäden redete Blue und von Verteidigungsdispositiven, von einem belagerten Ort, der zu befreien sei, einem Haus mit vielen Räumen, wo die Löschstrategen einen Grossbrand bekämpfen müssten. Aber jede Krankheit folge einem nicht voraussagbaren Muster und keinesfalls den Lehrbüchern. Blue, die erprobte Anwältin des Lebens, als Ärztin und Schreibende pantherwach gegen jede Todesart, wollte mich gegen Krabb verteidigen. Sie schreibe mit flattriger Besorgtheit und erkläre dem galoppierenden Tier in meiner Mitte für alle Zeiten den Krieg, weil sie ahne, dass ich dazu nicht entschlossen genug sei, sehe mich lächeln und setze ihre Divisionen in Marsch, nämlich ihre Armee des Wünschens und Wollens, also ihren stärksten Teil schicke sie mir. Doch wisse sie auch, dass ich gewohnt sei, alles allein zu bewältigen, und wolle mich nicht belästigen, aber würde mich wohin auch immer begleiten, falls ich es möchte. Im raschen Stakkato morste mir ihre dunkle Stimme Lebenssignale zu, die nachklangen, mich ermunterten und fähig schienen, sogar den Tod zu besänftigen.

Die Welt von Blue vergleichbar mit einem Kontinent, auf dem das Leben in jeder Spielart passiert, nie ohne die Liebe und den Raum Phantasie. Die Freude kennt den Schmerz, das Licht seinen Schatten, das Leben den Tod. Was immer Blue erzählte, zum Tag berichtete oder fragte oder wenn sie ein Gedicht aus ihrem Gedächtnis abrief, es war wunderbar befreiend, als würden wir fliegen können und hätten es nur nicht gewusst. Dennoch mein Gefühl, es sei eine andere Person, mit der sie über Krabb sprach, und ich eigentlich nicht mehr vorhanden, mir verlorengegangen, und es brauche Geduld und Zeit, mich daran zu erinnern. Aber wo beginnen, wenn meine innere Uhr rasend läuft, wieviel Zeit bleibt mir mit Krabb?“

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