RÓŻA UND DIE WÖLFE - REZENSIONEN UND BRIEFE

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Biografische Recherchen zu Rosa Luxemburg
Janus-Verlag, 2002
ISBN 3 7185 0188 0

(hier klicken für eine Textprobe)

Rok Literatur szwajcarskich - Jahr der Schweizer Literaturen - L'année les littératures suisses - L'anno delle letterature svizzere - 2004/2005, Poznań Polen. 

Besuch von Frau Ingeborg Kaiser (Basel) in Polen 18-22 Oktober 2004 

Mit dem Beginn des neuen akademischen Jahres startete an der Posener Universität das für ein Jahr geplante Projekt „Jahr der Schweizer Literaturen“ an der Adam – Mickiewicz – Universität Poznan und in Wielkopolska“. Zu seiner Eröffnung besuchte uns Ingeborg Kaiser (Basel) eine der interessantesten Prosaautorinnen und Dichterinnen der heutigen Schweiz. Ein Vielfältiges Rahmenprogramm, mit zwei Lesungen (die öffentliche in Zusammenarbeit mit der Lehrerfortbildungstelle der Wojewodschaft Wielkopolska und der Universitätsbibliothek) in Poznan und einem Lyrikseminar am Collegium Europaeum in Gniezno zeigte wiederum, wie intensiv die Begegnungen mit den Autorinnen und Autoren von den Studierenden wahrgenommen werden. Zahlreiche Fragen, tiefe Diskussionen hatten wir an dem Germanistischen Institut, sowie nach der öffentlichen Lesung für die Stadt. Den Kernpunkt dieser Reise bildete sowohl für die Schrifstellerin als auch für das Publikum die Gestalt von Rosa Luxemburg – thematisiert von Ingeborg Kaiser im ihrem Roman „Róża und die Wölfe”, der größtenteils sich auf dem polnischen Territorium abspielt.

Vertraute Gegenden und wichtige Berührungspunkte mit der polnischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts fokussierten im Rahmen dieser Veranstaltungen mit enormen Intensität und zeigten deutlich, wie wichtig und bereichernd derartige Begegnungen für beide Seiten werden können.

Eine besondere Ausstrahlung hatte das Gnesener Seminar – die Studierenden hatten die Möglichkeit, sich dem Schaffensprozeß der Dichterin zu nähern, stellten viele Fragen und setzten sich auch mit den Gedichten auseinander. Dabei zeigt sich auch hier die Erfahrung, wie solche Veranstaltungen außerhalb großer Städte zur Plattform eines geistigen Austausches werden können.

Der Schweizer Stiftung Pro-Helvetia und dem Rektor der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznan sei hiermit nochmals ein herzlicher Dank für die finanzielle Unterstützung des Besuchs ausgesprochen.

Dr Malgorzata Grzywacz, Institut für Germanistik Adam-Mickiewicz-Universität Poznań 

Einige der internationalen Briefstimmen zu: „Róża und die Wölfe“.

Warschau, den 10.Oktober 2002

Sehr verehrte, liebe Frau Kaiser,

Haben Sie herzlichen Dank für Ihr Buch. (...) Sie haben dem Leser wirklich ein originelles, in jeder Hinsicht schönes Buch geschenkt. Bin sehr gespannt wie es in der Schweiz und auch anderswo rezipiert wird. Die Geschichte der Rosa L. haben Sie auf eine frische und sehr „leserfreundliche“ Weise erzählt.

Ich gratuliere Ihnen!

Mit freundlichen Grüssen, Ihr Feliks Tych 


Liebe Kollegin Ingeborg Kaiser,

(...) Ich bin Ihnen für das sehr weise Buch über Rosa Luxemburg, sowie über Ingeborg Kaiser, sehr dankbar. Mit den besten Grüssen!

Professor Dr. Robert Evseroy, Moskau


Sehr geehrte Frau Kaiser,

(...) in einem Zug gelesen. Das hatte verschiedene Gründe: Da mir die Biographie Rosa Luxemburgs recht vertraut ist, hatte ich durch Ihre subjektiv-emotionale Betrachtungsweise durchgängig den Eindruck, ich würde der Rosa in der Gegenwart begegnen. Zum anderen ergab sich eine eigenartige Spannung dadurch, dass ich gespannt war, mit welchen Impressionen Sie den nächsten, aus der Kenntnis der Biographie zu erwartenden Fakt in Verbindung bringen werden. Und dann -- ich freue mich über Ihr Buch und wünschte ihm eine starke Rezeption, weil: Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Rosa, auch nach ihrem Tode, in Permamenz erschlagen wurde und wird. Auch deshalb meine Zustimmung!

Dr. Werner Abel, Chemnitz.


Ingeborg Kaisers Buch zu Rosa Luxemburg, unter dem Titel „Róża und die Wölfe“ im letzten August erschienen, gehört meiner Meinung nach zu den -literarisch wie politisch- wichtigsten Büchern der letzten Jahrzehnte. Und vielleicht ist es ein „Jahrhundertbuch“ zu nennen, jedenfalls ein Werk über eine Jahrhundertfigur - und zugleich ein sehr persönliches, aus innerer Notwendigkeit entstandenes Buch der in Basel eingebürgerten und dort lebenden Schriftstellerin und Lyrikerin.

Rosa Luxemburg? Ah ja, die damals und heute umstrittene Revolutionärin, die „Rote Rosa“, geb. 1871, die in Zürich zum Dr.iur promovierte und 1919 in Berlin zusammen mit Karl Liebknecht auf grausame Art ermordet wurde. Viel mehr wissen die meisten von uns nicht über sie, wenn wir nicht zufälligerweise das Filmporträt von Margarethe von Trotta gesehen haben. Die letzte Einstellung in diesem Film - der nächtliche Landwehrkanal, der zum Grab Rosa Luxemburgs wurde - hat Ingeborg Kaiser dazu inspiriert, über die „Feuerfrau“ zu schreiben. Die Vorarbeit dazu, das Sichherantasten und Einkreisen, hat Jahre beansprucht: Auseinandersetzung mit ihren „Gesammelten Briefen“ und politischen Schriften, mehrere Reisen auf den Spuren Rosa Luxemburgs nach Berlin, Ząmóśc, Warschau, in die Gefängnisse Festung Wronke und Breslau und nach Auschwitz und Krakau.

Die Annäherung an Rosa Luxemburg auf verschiedenen Ebenen, die kunstvoll und mit innerer Logik ineinander greifen wie die Räder eines Zahnrads, setzt in der Gegenwart ein, in Berlin an einem windigen Tag im Januar. Die Autorin nimmt uns mit, lässt uns teilhaben an ihren Recherchen, Beobachtungen, Kommentaren, Gedanken. „Ihr Leben ein zu rasch gespielter Film mit rasenden Szenenwechseln, eine Geschichte der grossen Gefühle, des Kampfes und Widerstandes, der Liebe, Verzweiflung, der Treue zu sich. Die Unbehauste, eigentlich Vaterlandslose, wurde für viele zur Gedankenheimat, in der man Mensch bleiben darf mit allen Widersprüchen.“

Mittels Briefausschnitten, Dokumenten, Zitaten, Informationen aus der Sekundärliteratur stellt die Autorin - auf der ersten Ebene - entscheidende Situationen und Stationen im Leben der radikalen, wortmächtigen Sozialistin dar. Immer wieder führt Ingeborg Kaiser aber auch subjektive Zwiegespräche von Frau zu Frau mit ihrer Protagonistin, die sie in solchen, fast intimen Momenten vertraut mit Róża (sprich: Ruscha, der polnischen Bezeichnung für Rosa) anspricht; dadurch bringt sie die historische Figur - die Intellektuelle, die kämpferische Marxistin und gefürchtete Rednerin, die die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts beeinflusst und mitgeprägt hat, - greifbar nah in unsere Zeit: als Mensch, als Liebende, als Schreibende, die während ihrer Gefängnisaufenthalte die Resignation durch Briefe an Freundinnen und Freunde zu überwinden versuchte, als Frau, die an ihrer Katze Mimi hing und einem eleganten Hut in einem Schaufenster nicht widerstehen konnte.

Noch einen weiteren, authentisch wirkenden Erzählstrang zieht Kaiser durch den zweiten Teil des Buches. Die Geschichte von Rehn, der jung und naiv, sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs freiwillig stellte, bei der Infanterie landete, verletzt wurde und im Kriegslazarett kaum etwas mitbekam von den Antikriegs-Demonstrationen der Frauen. Seiner Kriegsbegeisterung wird die Junius-Broschüre von Rosa Luxemburg entgegen gehalten, die von 1915 - 1916 im Berliner Weibergefängis entstand. Im Zweiten Weltkrieg, als Kriegsinvalider vom Wehrdienst befreit, wurde Rehn als Postbeamter in Polen Augenzeuge der nationalsozailistischen Verbrechen. Auch die Autorin reist an den Ort der Täter, stellt sich den unauslöschlichen Eindrücken. „Die Bahnschienen, die in A.-Birkenau endeten, liefen aus allen Richtungen auf dieses Ende zu. Du hast früh gewarnt, Róża, dich mit allen Kräften gegen die Urkatastrophe Krieg gestellt, die Schutzhaft ertragen, weitergekämpft und dein Golgatha erlitten. Die Blutschnur lief durch die Schützengräben des Ersten Weltkriegs, über die Schlachtfelder Europas, Materialschlachten um Dörfer und Hügel, Menschenschlachten...“.

„Róża und die Wölfe“ endet im polnischen Städtchen Ząmóśc, wo die später Verhasste, Verfolgte, Verhaftete, Eingekerkerte und schliesslich Ermordete, die ihre Überzeugungen nie aufgab und bis zuletzt mit geradezu unheimlicher Kraft kämpfte, eine kurze, glückliche Kindheit erlebte. Ein Personenverzeichnis, eine ausführliche Zeittafel über Rosa Luxemburg und Literaturhinweise runden den mit Abbildungen bereicherten Band ab.

Ingeborg Kaiser hat in einer klaren, oft lyrisch verknappten Sprache ein vielschichtiges, unheimlich spannendes, atmosphärisch dichtes Buch über Rosa Luxemburg geschrieben, in dem sie sich immer wieder persönlich einbringt, ein Buch gegen den Krieg, das vom ersten Satz an unter die Haut geht und für das sie eine eigene, überzeugende Form gefunden hat.

„Róża und die Wölfe“ ist aber auch die Geschichte einer intensiven Freundschaft zweier Frauen über die Zeiten hinweg, die ausser der Liebe zum Wort noch weit mehr verbindet.

Barbara Traber, orte - Schweizerische Literaturzeitschrift, April 2003


Eine Reise zur polnischen Róża

(...) 1998 begann sich die Autorin intensiv mit den gesammelten Briefen und Werken Rosa Luxemburgs zu beschäftigen. Zuerst schrieb Ingeborg Kaiser Lyrik, reiste dann nach Polen, besuchte dort die Gefängnisse, in denen Rosa Luxemburg inhaftiert war, und machte sich Notizen zum Thema. Sie las Biographien über die kämpferische Autorin, die, umfassend gebildet, vielsprachig und wortgewaltig, auch eine wunderbare Poetin war. Eine Marxistin, die durchaus für die Revolution war und sich für Gerechtigkeit einsetzte, aber Krieg und Blutvergiessen ablehnte.

Dies belegt, wie akribisch einerseits und mit welcher Behutsamkeit andererseits sich Ingeborg Kaiser dem Leben und dem Werk dieser „Jahrhundertfigur“ näherte. Für sie war es der Stoff, aus dem das heranreifte, was ein Meisterwerk genannt werden darf.

Aufschlussreich sind einige erste Sätze aus dem ersten Kapitel des Buches, das im Basler Janus-e-nova-Verlag vor wenigen Tagen herausgekommen ist. Zitat:: „Seit langem im Dialog mit ihren Schriften, war ich mit ihr vertraut geworden, wie mit einem nahen Menschen, bei dem ich mich wohlfühlte, neugierig auf jede Einzelheit in seinem Leben, seiner Geschichte, deren Spuren ich folgte. Als habe das Leben von Rosa L. auch mit meinem zu tun, wäre Geschichte wiederholbar. Neben der historischen Figur Rosa L., schon in vielen Biografien kenntnisreich porträtiert, interessierte mich die polnische Róża oder Ruscha. Sie erlaubte mir das Spiel mit Möglichkeiten, war mit Du ansprechbar und liess Gegenwart zu.“

Es ist diese Haltung Ingeborg Kaisers, dieses Begegnen über Zeiten und Jahrzehnte hinweg, die den „Biografischen Recherchen zu Rosa Luxemburg“, so der Untertitel des Werkes, besonderen Reiz verleihen. Hier blüht sie auf, die gewachsene, geerdete, präzise und doch so poesievolle und biegsame Sprache der Basler Autorin, die erst vor kurzem die Leserschaft mit einem Lyrikband von sprachlich anregender Dichte überrascht hat.

Alles, was über Rosas Lebensstationen in dem 180-Seiten und informativ bebilderten Buch geschrieben wurde - dies gilt es zu wissen - ist authentisch und belegbar. Eine andere Ebene konfrontiert die Leserinnen und Leser mit den Erfahrungen der Autorin auf Reisen nach Polen. Und die dritte stellt die schon angesprochene dar, das Dialoghafte zwischen der Erzählerin und der Revolutionärin, die, was viel zu wenig bekannt ist, im Jahre 1898, am 19. April in Basel mit dem Schreinermaschinisten Gustav Lübeck aus Berlin eine Scheinehe eingegangen ist.

Am 15. Januar 1919 wurde Rosa Luxemburg durch Gewehrkolbenschläge des Jägers Otto Wilhelm Runge und Schüsse des Leutnants zur See Hermann W. Souchon getötet und in den Landwehrkanal geworfen. Am 13. Juni wurde sie auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde beigesetzt. Ingeborg Kaisers Buch spricht vieles und viele an und steht ganz in unserer Zeit.

Paul Schorno, BZ, 30.8.02


Ingeborg Kaisers neustes Buch möchte ich allen empfehlen, die sich sowohl für Rosa Luxemburg interessieren wie auch für die Annäherung einer heutigen Autorin an Rosa Luxemburg.

„Rosa Luxemburg ist keine Figur von gestern", sagt die Autorin in einem Gespräch. „Sie ist nicht ausgelesen. Damals war sie ihrer Zeit voraus, darum hat sie ihren Platz in der Gegenwart, ihre Utopie des Internationalismus wird heute Wirklichkeit. (...)

Die „Suche“ nach Rosa Luxemburg - der Politikerin, der Frau, der Liebenden, der Gefangenen, der Theoretikerin - ist zu einem eindrücklichen Buch geworden. Es ist behutsam und kenntnisreich geschrieben.

Die historische Situation und die für R.L. wichtigen Menschen werden skizziert, Grundgedanken der Theoretikerin zusammengefasst. Dazwischen schieben sich persönliche Dialoge zwischen Erzählerin und „Róża“, ergänzt von Erinnerungen der Autorin an ihre Kindheit während der Nazizeit. Ferner berichtet I.Kaiser über ihre Recherchen und Reisen an die Orte, in denen Rosa Luxemburg gelebt, gearbeitet, gekämpft hat, bekämpft und ermordet wurde.

Mir gefällt, wie Ingeborg Kaiser die vielschichtige Persönlichkeit von Rosa Luxemburg imaginiert. Ein Beispiel: „ Ein stiller Schreibtischtag in Südende, an dem Rosa L. an „Die Akkumulation des Kapitals“ arbeitete und ihr gegenüber Mimi auf dem Plüschsessel schnurrte. Ein beglückender Tag, den sie wie vieles brieflich ausmalte. Die weisse blühende Hyazinthe. Das Kristallprisma, ein Briefbeschwerer auf dem Tisch in der Sonne.... „davon zerstoben Dutzende Regenbogenspritzer auf alle Wände und Decken, und es war so bunt und heiter im Zimmer“.

Ähnlich vervielfachte sich ihr Leben. Als Politikerin und erste weibliche Dozentin, seit 1907 an der Parteischule für Wirtschaftskunde und Nationalökonomie. Als Kriegsgegnerin, die vier Jahre hinter Gittern verwahrt blieb. Als Intellektuelle, die Literatur und Musik zum Atmen brauchte, malte und botanisierte, eine Forschende war. Als weiblicher Mensch, der seine Ganzheit leben wollte. Verschwenderisch viel für das eine kurze Leben...“.

Ingeborg Kaisers „Biografische Recherchen“ sind jedoch nicht nur geprägt von der Faszination für Rosa Luxemburg, sondern auch vom Blick auf die „Wölfe“, auf die Geschichte der Kriege. Dies verleiht dem Buch zurzeit eine erschreckende Aktualität.

Dr.Brigit Keller, Neue Wege, Nr. 5/2003


Das Bild der vielgehassten und ebenso heftig bewunderten Revolutionärin Rosa Luxemburg wird aus der Perspektive einer modernen Frau kunstvoll und bestürzend nacherzählt.

Dr.Valentin Herzog.


Zitate

„Das Bild auf der Kinoleinwand abartig schön, die letzte Einstellung im Margarethe-von-Trotta-Film, der Blick über das Brückengeländer auf den nachtdunklen Kanal. Sein lautloses Strömen, vom Kunstlicht angeschimmert, ein Fliessgrab, über dem sich die Wasserhaut wie ein Kinovorhang zuzog. Ein Bild, das mich lockte, als wäre es möglich das Wasser zu teilen, als habe Rosa L. den Fischen und Wassergewächsen eine letzte Nachricht hinterlassen, die noch zu heben sei.

(...) War sie ihrer Zeit voraus oder hinkte sie hinterdrein, jedenfalls war es die falsche Zeit, in der ihre revolutionären Ideen die bestehende Ordnung bedrohten.

(...) Sie war zu intelligent, zu direkt, zu extremistisch, zu rebellisch, zu redegewandt, zu überzeugend. Und sie war eine Frau, die auf einem Parteitag von einem Hut im Schaufenster schwärmen konnte, ihn erwarb.

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