MÖBLIERTE ZEIT - REZENSIONEN

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Erzählungen (Janus-Verlag, Basel, 1992), ISBN 3-7185-0119-8

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Die Autorin schreibt in der dritten Person über eine „sie“ namens Kay, doch geboten werden keineswegs die geschlossenen Tagesabläufe dieser Kay - vielmehr ist das Buch eine Sammlung von Denk- und Gefühlszuständen, Handlungsstränge, Zeitverläufe, wiederkehrende Figuren sind kaum auszumachen.

Statt dessen entwirft Kaiser ein wunderschönes Sprachmosaik. Kunstvoll verwebt sie verschiedenste Beobachtungen, subtile Gedankengänge und Gefühlsbeschreibungen ineinander und schreibt somit gegen die Ordnung der Tage an. Da ist die Rede von Panzereinsätzen am Golf und vom stummen Ehekrieg, da wird in äusserster Knappheit ein Literaturgespräch mit einer Freundin zitiert, da läutet eine verschneite Blüte eine Krankheit ein, da werden Träume getauscht. Nichts in der „Möblierten Zeit“ ist ganz und dauerhaft. Ingeborg Kaiser präsentiert hochanfällige Momentaufnahmen, die einander in rasender Geschwindigkeit ablösen.

Das Erregende an dieser Prosa ist die verdichtete Sprache, denn die Autorin hat ein ausgesprochenes Feingefühl für den Reiz des Unausgesprochenen. Gerade das hält die Neugier an dem Buch bis zum Schluss aufrecht.

Ein Prosabijou voller Bewegung aus dem Jahr 1991. Ausserdem vier Kurzerzählungen. Eine davon heisst „Der Geher“, wobei es sich um eine ganz phantastische Bildbeschreibung des Ölgemäldes „Der Wanderer“ von Ernst Ludwig Kirchner handelt. Dieses Gemälde ist im Buch abgedruckt, und aus der Bildbetrachtung von Ingeborg Kaiser ist ein blendender Text zum Thema „Abschied ohne Ankunft“ entstanden. So ist die „Möblierte Zeit“ ein Buch voller Irritationen und Schönheiten, ein wahrhaft glitzerndes Prosabijou.

Corina Caduff, 8.10,1992, Zürich

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